Reflexionsbericht zum Fachkräfteaustausch vom 01.04.-08.04.2012 zwischen den

Städten Ra´anana und Brandenburg an der Havel von Klaus Haberlandt

Bevor ich meinen Bericht über diese interessante und erlebnisreiche Reise nach Ra´anana in Israel beginnen werde, möchte ich mich für das in mich gesetzte Vertrauen, an diesem Fachkräfteaus-tausch teilzunehmen, bei den Verantwortlichen der Brandenburgischen Sportjugend und dem Verein Ra´anana e.V. bedanken. Die intensive Vorbereitung, die gute Organisation und letztendlich die Durchführung dieser Jugend- und Fachkräftereise waren ein perfekte Leistung der Organisatoren in Ra´anana und in Brandenburg.

Schon zum Vorbereitungsseminar vom 24.02. bis 26.02.2012 in der Jugendbegegnungsstätte Schloss Gollwitz zeigte sich, dass die Zusammensetzung der Teilnehmer bei den Jugendlichen und den Fachkräften sehr gut war und alle dieses Vorhaben als Ansporn empfanden, sich mit den Themen der Beziehungen zwischen Israel und Deutschland auseinanderzusetzen. Es wurde sehr viel Wissenswertes über die Geschichte, die Kultur, die Politik, die Traditionen und Bräuche vermittelt und ein kurzer Sprachkurs im Hebräische rundeten die Veranstaltung ab.

Eine weitere am 28.03.2012 durchgeführte Informationsveranstaltung sollte restliche offene Fragen klären und noch einmal daran erinnern, dass es wichtig ist, verschiedene Dinge für die Reise und den Aufenthalt in der Wüste nicht zu vergessen.

Am Morgen des 01.April 2012 um 03:15 Uhr war es dann soweit. Alle Teilnehmer fanden sich erwartungsvoll am Brandenburger Hauptbahnhof pünktlich ein, um mit Kleinbussen die Fahrt zum Flughafen Berlin Tegel anzutreten.

Nach einem ruhigen und entspannten Flug landete unsere Gruppe auf dem Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv und wurde nach der Zoll- und Passkontrolle durch Meir Yadow und Benny Finger herzlich begrüßt.

Im Schwimmbad von Ra´anana gab es dann Pizza bis zum Abwinken. Nach dem Mittagessen ging  auch schon das Besuchsprogramm los. Ein Stadtrundgang im Stadtpark und der Besuch des Stadtmuseums Yad Lebanim begannen am frühen Nachmittag. Im Anschluss an eine Stadtrundfahrt trafen wir am frühen Abend im Jugendzentrum von Ra´anana ein. Eine erste Kennenlernrunde mit israelischen Jugendlichen und dem Jugendteam aus Bramsche, das zur gleichen Zeit in Ra´anana zu Gast war, wurde durchgeführt. Nach einem langen und anstrengenden Tag kamen dann nach und nach die Gastgeberfamilien und holten die Brandenburger Teilnehmer ab.

Am Abend lud der Verein „Ra´anana eV“ nach Tel Aviv in das Restaurant „Jaffa“ zu einem Meeting mit dem Thema „Jugendaustausch“ ein. Es wurden Fragen, Probleme und Meinungen zur Verbesserung des Jugendarbeit emotional diskutiert. Ein gemeinsames Abendessen ließ den Abend ausklingen.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Jubiläumsfeiern zum 90.Jubiläum der Stadt Ra´anana. Am Vormittag fand ein Empfang für die Jugendteams von Brandenburg und Bramsche beim Bürgermeister  der Gastgeberstadt statt. Sehr feierlich, mit Gesang und Lautatien, sowie durch die Übergabe von Gastgeschenken wurden die freundschaftlichen Beziehungen der Städte und Jugendorganisationen gewürdigt. Im Anschluss fand ein sportlich-pädagogisches Programm für die  Jugendgruppen statt, dabei wurde das Kennenlernen auf einer spielerisch, lockeren Ebene weiter fortgeführt.

Am Nachmittag folgte eine Parade der Sportvereine durch die Stadt, an deren Spitze unsere Jugendgruppen teilnahmen. Ein Tanzfestival mit vielen farbigen Kostümen und tollen Rhythmen beschloss  den Geburtstag in Ra´anana.

Zu einer zweiten Gesprächsrunde, die Jugendarbeit und den Jugendaustausch betreffend, luden die israelischen Partner am Abend im Schwimmbad Ra´anana ein. Die Verantwortlichen des Israelischen Jugendkomitees, Gruppenbegleiter der beiden deutschen Gruppen aus Bramsche und Brandenburg  und die Fachkräfte sollten sich sich kennen lernen und Wege aufzeigen, die die Jugendarbeit verbessern sollen. Probleme, Ansichten und Aussichten  der Zusammenarbeit im Jugendbereich wurden angesprochen und diskutiert. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wieviel engagierte Menschen sich mit diesem Thema befassen und Wege suchen, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Menschen zu entwickeln und zu gestalten.

Nun kamen die Tage in Israel, die ich mit Spannung und doch sehr respektvoll erwartet hatte. Mit  einem Reisebus fuhren wir gemeinsam mit der Gruppe aus Bramsche und einigen israelischen Begleitern in die Wüste Negev. Eine vierstündige Wanderung durch Navi-Mussa zu den Qumran Höhlen in sehr großer Hitze verlangte von uns Teilnehmern einiges ab. Mit sehr viel Wasser, gut eingecremt und einem Hut auf dem Kopf sollte es am ersten Tag auch annähernd eine Wanderung unter erschwerten Bedingungen bleiben. Lohn dieser Anstrengungen war am Nachmittag das „Schwimmen“ im Toten Meer, wobei das Baden dort eher ein fröhliches Treiben auf dem Wasser, denn eine Abkühlung war. Erst das Abduschen mit kaltem Wasser war angenehm erfrischend.

Den Abend verbrachten wir, nach einer längeren Busfahrt, mit dem „Lager machen“ im Kibbutz Elifas und dem Vorbereiten des leckeren Abendessen.

Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, der nächste Tag sollte noch etwas anspruchsvoller für die Kondition werden. Nach dem Wecken und einem guten Frühstück fuhren wir wieder in die Wüste und bereiteten uns, mit dem Wissen vom Vortag, auf eine erneute Wanderung vor. Es wurde nur eine kurze Wegstrecke zu fast ebener Erde und dann fingen gleich die ersten Kletterhindernisse an. Es ging ziemlich gleichmäßig immer Berg auf. Die wunderbare Aussicht entschädigte doch etwas für die Strapazen. Oben am Berg angekommen, wurde eine lange Rast eingelegt, verbunden mit einer Zeremonie der Ruhe. Nach dem schnellen und steilen Abstieg warteten auf jeden Kletterer ein Mountain Bike, mit dem es dann stellenweise ziemlich rasant bis kurz vor Eilat ging. Der späte Nachmittag sollte wieder sehr ruhig und entspannt verlaufen, mit Shopping und Baden im Roten Meer und der Rückfahrt in das Kibbuz.

Ein kurzer Halt am Beobachtungspunkt für Flamingos sorgte noch einmal für eine angenehme Unterbrechung auf dem Weg nach Elifas. Abendessen und viel Ruhe beendeten den, doch sehr anstrengenden, aber schönen Tag.

Den Vormittag des nächsten Tages verbrachten die Jugendlichen auf Grund einer Programmänderung beim Schnorcheln in einer Tauchschule am Roten Meer. Dann fuhr unser Reisebus von Eilat am Toten Meer entlang über Jerusalem nach Ra´anana zurück.

Dieser sehr ausgedehnte Ausflug in die Wüste Negev, ans Tote Meer, in das Kibbuz Salifar und nach den schönen Bade- und Urlaubsort Eilat war ein sehr spannendes und tiefgreifendes Erlebnis. Ich glaube, die Eindrücke, die Schönheit der Landschaft und das einfache Leben im Kibbuz werde ich nicht vergessen.

Freitag, der Tag vor dem Pessachfest und gleichzeitig Shabbat hatte im Vorfeld schon eine eigene Atmosphäre. In den jüdischen Familien liefen die intensiven Vorbereitungen auf dieses Ereignis. Uns waren zwar die Ursachen und Zusammenhänge für Pessach einigermaßen geläufig, aber die Zeremonie am Vorabend kannten wir nicht. Der Tisch war festlich gedeckt und es standen Dinge dabei, deren Bedeutung sich erst im Laufe des Abends erschließen sollte. Als es dämmrig wurde,  setzten sich alle Familienmitglieder an den Tisch und die Zeremonie begann. In Rezitationen, Liedern und Vortragen von Texten durch abwechselnd alle Mitglieder der Familie, wurde die Stationen der Flucht der Juden aus der ägyptischen Sklaverei beschrieben und nachgespielt. Was am Anfang noch den Eindruck von Traurigkeit machte, sollte aber immer mehr in eine freudige und befreite Stimmung übergehen. An die Zeremonie schloss sich ein leckeres Abendessen mit einer traditionellen Suppe mit Knödeln, gefülltem Fisch, verschiedene Sorten Fleisch und zum Schluss ein süßer Nachtisch an. Nachdem ich Herbst 2011 Yom Kippur in Jerusalem erlebt hatte, war dieser Vorabend des Pessach ein beeindruckendes Ereignis und so etwas kann man nur in den jüdischen Familien so erleben.

Am Shabbat waren wir zum Pessachfest in Jerusalem. Die Juden hatten ihre besten Kleider an und gingen in der Altstadt spazieren. Viele Menschen waren an der Klagemauer und beteten. Die Atmosphäre in der Heiligen Stadt war schon sehr feierlich.

Die Woche unseres Aufenthalt in Israel ging am Sonntag schon wieder zu Ende. Es machte sich ein Gefühl des Abschieds breit, aber auch das Gefühl, dass dieser Abschied nur auf Zeit ist und dass man die israelischen Freunde wiedersehen und die freundschaftlichen Beziehungen pflegen und vertiefen wird.

Es ist schon ein gutes Gefühl, dass sich im Laufe der Jahre so viele Freundschaften entwickelt haben und dass man feststellt, es gibt so viele Menschen in Israel und in Deutschland, die dafür leben, Jugendliche zusammen zu bringen. Die jungen Leute sollen die Geschichte, die Kultur, die Politik und die Probleme unterschiedlicher Entwicklung kennen und verstehen lernen und dazu beitragen, dass alle Menschen auf dieser Erde in Frieden miteinander leben können.

Die Meetings am Anfang der Fachkräftereise und die Gespräche mit den Gruppenmitgliedern haben gezeigt, dass trotz Meinungsverschiedenheiten und ungleicher Standpunkte immer etwas erreicht werden kann und immer das Gespräch geführt wird.

Klaus Haberlandt